Wozu brauchen wir Gleichberechtigung?

Dürfen Frauen an einer Universität studieren? Dürfen Frauen ein eigenes Bankkonto haben? Dürfen Frauen wählen gehen? Diese drei Fragen sind auf jeden Fall mit „ja“ zu beantworten, weil sie wichtige Errungenschaften feministischer Bewegungen sind.

Obwohl in Deutschland, wie auch in vielen anderen Ländern, Frauen und Männer vor dem Gesetz gleich sind, ist der Feminismus noch lange nicht ausgestorben oder unwichtig geworden. Denn auch in Deutschland werden Frauen und Männer noch nicht vollständig gleich behandelt. Gender-Pay-Gap zum Beispiel. Das heißt, viele Frauen bekommen weniger Geld als ihre männlichen Kollegen, obwohl sie die gleiche Tätigkeit, den gleichen Job ausüben. Frauen machen ihren Job also schlechter? Nein, machen sie nicht! An diesem Beispiel sieht man deutlich, dass der Prozess der Gleichberechtigung noch nicht abgeschlossen ist und es immer noch klar erkennbare Unterschiede zwischen Männern und Frauen in der Gesellschaft gibt.

Auch in der Politik gibt es deutliche Unterschiede. Nicht nur, dass der Anteil an Frauen im Deutschen Bundestag wieder rückläufig ist, was zweifelsfrei an der geänderten Verteilung der Fraktionsstärken im Vergleich zu 2021 liegt, sondern auch, dass viele Politikerinnen einfach nicht richtig ernst genommenwerden. Sie werden nicht in die erste Reihe gestellt und erreichen so nicht die Spitze der politischen Karriereleiter. Und wenn doch, siehe Kamala Harris, werden sie von der Wahlbevölkerung immer noch nicht für voll genommen. So äußerten sich US-Amerikaner nach der Wahl sinngemäß: Sie seien absolut keine63 Fans von Tump, hätten ihn aber dennoch gewählt. Warum? Kamala Harris ist leider eine Frau. Tja, schade oder?

Dabei sind Frauen und Männer doch eigentlich gleich. Aber irgendwie eben doch nicht. Zumindest noch nicht. Das ist aber der Punkt, den wir als Gesellschaft erreichen müssen. Es geht im Feminismus nicht darum, Frauen nach vorne zu drängen, ihnen künstlich Macht zu geben, sondern sie dahin zu bringen, wo Männer schon sehr lange stehen. Nämlich an einer Stelle in der Gesellschaft, wo sie nach ihren Aussagen, Taten und Leistungen beurteilt werden. Wo sie für ihre Arbeit eine Entschädigung, genannt Lohn, bekommen. Wo sie in jungen Jahren als Politiker anfangen und je nach Engagement und Überzeugungskraft Bundeskanzler werden oder auch nicht. Wenn diese beiden Sätze einmal für Frauen genauso wie für Männer gelten, dann haben wir Gleichberechtigung. Und die brauchen wir auch, weil es einfach keinen halbwegs vernünftigen Grund gegen die Gleichberechtigung von Männern und Frauen gibt.

Lena Meyer, Q12