Die Leiter

Ich kletterte eine Leiter, Sprosse für Sprosse. Da sah ich einen Mann, der unten an meiner Leiter stand und zu mir hinaufblickte. Er rief, doch ich weiß nicht, ob er zu leise rief oder ob ich zu weit oben war. „Wieso kletterst du?“, hörte ich ihn fragen. „Ich muss nach oben“, erwiderte ich. Der Mann nickte und ging fort. Und ich kletterte weiter.

Nach wenigen Tagen, oder vielleicht waren einige Jahre vergangen, kehrte der Mann zurück und er hatte seine Frau dabei. „Wieso kletterst du?“, fragte nun auch die Frau. Ich war zu weit oben, als dass sie mich hätte verstehen können, also antwortete der Mann für mich: „Er muss nach oben.“ Die Frau nickte und beide gingen fort.

Nach einiger Zeit, ich weiß nicht, wie lange es gedauert hatte, war das Ende der Leiter in Sicht. Da sah ich unten den Mann und seine Frau und ihren Sohn. Ich kletterte weiter und weiter und schließlich konnte ich nicht mehr weiter klettern, weil die Leiter keine Sprossen mehr hatte. Und der Sohn fragte spöttisch, „Was tust du nun?“. Ich wollte nicht herunter klettern, weil ich Höhenangst hatte, dies wollte ich aber auch nicht vor dem Sohn des Mannes zugeben. Also stieg ich auf die letzte Sprosse und entschloss mich dazu, zu springen. Ja, ich flog und lachte und sah den beeindruckten Blick des Sohnes. Der Stolz durchfloss mich wie ein langer Fluss, der aus dem höchsten Berg entsprungen war und nun eiligst zum tiefsten Meer gelangen sollte. Und die Frau staunte mit offenem Munde und schrie auf. Warum schrie sie auf? Ich wollte der erschrockenen Frau helfen, wie es sich für einen edlen Mann gehört, doch ich konnte nicht mehr aufstehen.

Helena Vogler Q13

,