Der Abend war früh. Mancher würde es Nachmittag nennen, auf jeden Fall war die Sonne noch zu sehen. Als ich das Haus betrat, zog ich zuerst die Schuhe aus, dann den Mantel. Im Wohnzimmer war es kalt. Der Entschluss, den ich fasste, war es, eine Kerze zu entzünden. Entschlossen strahlte das Licht durch den Raum und sammelte sich an einer Gardine. Wahrlich, es wurde langsam wärmer. In jenem Moment klingelte das Telefon und so lief ich für den Hörer. „Hallo, werter Her!“, erklang die Stimme eines Feuerwehrmannes. „Wir wollen ein Feuer bei Ihnen im Haus melden. Schönen Tag noch.“ Mit diesen Worten legte er auf. Neben den Gardinen brannte mittlerweile auch ein Stapel Altpapier im Treppenhaus. Als ich versuchte, hinunter zu gelangen, verbrannte ich mich und ging zurück in meine Wohnung. Das Fenster war offen und ich blickte eine Zeit lang hinaus. Die Sonne war noch zu sehen, bei ihrer Abwärtsbewegung Richtung Nacht. Es kam eine freundliche Verkäuferin vorbei und fragte: „Was willst du denn mit dem ganzen Rauch in deiner Wohnung?“ „Gar nichts!“, antworte ich. „Das Feuer lässt ihn in Ruhe, deswegen tue ich das auch.“ „Feuer?“, fragte die Frau. „Nein, dabei kann ich dir nicht helfen. Guten Abend noch!“ und sie ging weiter. Nun liege ich am Boden, um den Rauch nicht zu stören. Das Feuer hat mich umkreist. Ich kann fühlen, wie es zu mir sprechen will. Es sagt, dass es mich warmhalten wird. Der feurige Kreis leuchtet in der Dunkelheit. Schön. Mir ist jetzt warm genug und so stehe ich auf und puste die geschmolzene Kerze aus. Das Feuer erfriert. Ein letzter Blick aus dem Fenster, bevor ich zu Bette gehe. Die Sonne ist nicht zu sehen.
Miguel Lipke, Q13
