Das Gewitter

Es war ein Tag, an dem es gewitterte. Ich weiß nicht, wie viel Uhr es war, als ich vorne stand und wartete. Ich blickte in viele Gesichter und konnte nicht einordnen, was sie so bei sich dachten. Es war dunkel, ich erkannte sie kaum, außer, wenn es blitzte. Mein Bruder neben mir begann mit einem Taschentuch seine Schuhe zu putzen. Keiner sagte etwas, warum auch, es war ja nicht wichtig für sie. Meine Mutter nahm ihre Handtasche und verließ als einzige den Raum. Ihr Gang ähnelte jedoch mehr dem meiner Großmutter. Durch den Spalt in der Tür sah ich das Gewitter. Ich setzte mich auf einen Stuhl, der in die andere Richtung umgedreht war, und mir erschien die andere, neue Hälfte des Raumes fremd. Ich wusste nicht, wann – an den Fensterscheiben hörte man immer noch den Regen – mir ein Finger auf die Schulter tippte. „Möchtest du jetzt nachschauen?“, sagte die Person. „Noch nicht“, antwortete ich, „es gewittert ja noch“. Ich kannte die Stimme nicht, sie war tief und ich konnte sie nicht zuordnen. Auch wusste ich nicht mehr genau, wen wir eingeladen hatten, aber es waren nur Bewohner aus dem Dorf. Als mich später erneut eine Person fragte, wollte ich mich umdrehen, aber ich konnte nicht. Ich merkte, dass ich unfähig war, meine Beine zu bewegen, also sagte ich, ohne mich umzudrehen, dass wir einfach noch etwas warten sollen. Mein Nacken war steif, aber im Augenwinkel konnte ich braune Blumen in der Brusttasche meines Anzugs erkennen. Ob sie mal in der gleichen Farbe wie ihr Brautstrauß waren, wusste ich nicht. Ich musste einfach noch etwas warten.