Sonntag

Es war ein kühler Sonntag, als Herbert S. durch die leeren Straßen der Stadt schlenderte. Er betrachtete jedes Haus und jeden Stein, denn er hatte ohnehin nichts zu tun. Eine junge Dame kam angerannt, völlig außer sich und hektisch. Herbert S. fragte sie, was los sei, und die Dame, ohne anzuhalten oder gar langsamer zu werden, schrie im Vorbeilaufen: „Die Katastrophe ist eingetreten!“ Unmittelbar danach spürte Herbert S. die erschütternden Schritte der Kaninchen. Hinter den Häusern und Steinen der kalten Stadt erschien eine immer größer werdende, ja, immer schneller voranschreitende Welle aus Fell und kleinen, schwarzen Augenpaaren. Herbert S. war noch jung, doch ihm war bewusst, dass seine Zeit gekommen war. Das aggressive Mümmeln wurde immer lauter und der graue Himmel war bald vollständig verdeckt. In seinen letzten Momenten war Herbert S. glücklich, denn wenigstens wärmten die flauschigen Kaninchen ihn an diesem kühlen Sonntag. Er war glücklich, als er zwischen den Kaninchen ertrank.

Helena Vogler, Q13